Keine Navigationsleiste auf der linken Seite? Abhilfe

Kölner Stadt-Anzeiger vom 10. Juni 1931, Autor: unbekannt

Die zukünftige Eisenbahnbrücke bei Köln-Rheinkassel

Bau des dritten und vierten Gleises von Köln nach Dortmund

Der längst vor dem Kriege geplante Bau einer Schnellbahn von Köln nach Dortmund durch eine Privatgesellschaft wurde fallengelassen und die Reichsbahn griff den Bau in veränderter Form wieder auf. Sie war dazu gezwungen, weil die Verhältnisse auf der zweigleisigen Strecke Köln – Dortmund, der verkehrsreichsten Strecke Deutschlands, unhaltbar geworden sind. Man entschloss sich zum Bau eines dritten und vierten Gleises, um den Personenverkehr beschleunigen und erweitern zu können und andererseits die bisherigen Gleise zu einem verstärkten Güterzugverkehr verwenden zu können. Teilstrecken dieses dritten und vierten Gleises Köln – Dortmund sind bereits im Bau.

Vor allem zwischen Duisburg – Düsseldorf und Köln. Allerdings verzögert sich der Bau trotz seiner dringenden Notwendigkeit, weil der Reichsbahn die Mittel zu einem schnelleren Ausbau oder nicht mehr zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde wurde auch der Ausbau eines Hauptstückes dieser neuen Gleisstrecke Köln – Dortmund einstweilen verschoben, nämlich der Bau einer zweigleisigen Eisenbahnbrücke bei Köln-Rheinkassel, wo die neue Strecke aus verkehrstechnischen Gründen den Rhein überqueren muss.

Da die Strombauverwaltung auf Grund ihrer Erfahrungen im Schiffsverkehr bei neuen Rheinbrücken vorschreibt, dass der im Hauptverkehr liegende Brückenbogen nicht unter 225 Meter breit sein darf, dadurch – infolge der Seitenbrücke und Strompfeiler der Brückenbau bei Rheinkassel verteuert worden wäre – entschloss sich die Reichsbahndirektion Köln, in deren Händen der Bau liegt, eine Brücke ohne Strompfeiler zu bauen. Genaue Rechnungen und Berechnungen ergaben verschiedene Pläne von eisernen Balkenbrücken, die sich auf zwei Uferpfeiler stützen und über den Rhein ohne Strompfeiler führen.

Die Genehmigung des endgültigen Plans ist nunmehr aus Berlin eingetroffen. Die Bauausführung hängt, wie gesagt, aber noch vom Vorhandensein der Mittel ab. Für dieses und auch für das nächste Jahr vielleicht noch ist damit nicht zu rechnen.

Der Plan der neuen Dreigurtenbrücke, die vor einigen Monaten auf der Strecke Köln – Aachen bei Düren vollendet wurde, wurde auch zum Vorbild für die große Rheinbrücke bei Rheinkassel, die von Ufer zu Ufer ohne Pfeiler in 308 Meter Länge nach diesem neuen System gebaut wird.

Schöpfer der Dürener Brücke und des Plans der Rheinbrücke bei Rheinkassel ist Oberbaurat Dr. Tils von der Eisenbahndirektion Köln. Der dreieckige Dreigurtenträger statt des viereckigen kastenförmigen Viergurtenträgers ist von ihm zuerst angewandt worden. Über diese Ersparnis beim Bau hinaus ergab sich hier auch ein Brückenbild, das weniger schwer wirkt und sich mit seiner gerade Linienführung den platten Uferlinien gut anpasst. Die Brücke läuft über die beidüfrigen Vorflutgelände aus in aus Klinkern erbauten Gewölben. Die hier als besonders am Platze und als praktisch empfunden wurden. Durch diese wegen des Hochwassers nötigen Überbrückungen des Vorflutgeländes ergibt sich eine Gesamtlänge des Brückenbaus von rund 1000 Meter, die dem bei Brücken dieser Art am unteren Rhein üblichen Länge entspricht.

Die Strombrücke wird 9,30 Meter über dem höchsten schiffbaren Wasserstand liegen. Die Systemhöhe der Brücke beträgt 39 Meter, die Breite 15 Meter. Die etwa 300 Meter langen linksrheinischen und etwa 400 Meter langen rechtsrheinischen Vorlandbrücken werden, wie gesagt, massive Klinkergewölbe von zehn Meter Breite. Auf der linken Rheinseite ergeben sich hierdurch sieben Öffnungen von 38 Meter Lichtweite, auf der rechten Rheinseite dagegen sieben Öffnungen von 38 Meter und drei Öffnungen von 28 Meter Lichtweite.